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Maria Grollmuss
1896-1944

Maria Grollmuß wird am 24. April 1896 in Leipzig geboren. Ihr Vater ist dort Direktor der ersten katholischen Bürgerschule. Als sich bei der Mutter und beiden Töchtern Anzeichen von Tbc bemerkbar machen, baut der Vater im sorbischen Radibor bei Bautzen ein Haus, in dem die Familie die Sommermonate verbringt.

Von 1912 bis 1917 besucht Maria Grollmuß das Lehrerinnenseminar. 1920 beginnt sie das Studium der Geschichte und Soziologie in Leipzig. Gleichzeitig tritt sie dem sozialistischen Studentenbund bei, obgleich sie sich als gläubige Katholikin auch der christlichen Jugendbewegung zugehörig fühlt. Von Ostern 1925 an arbeitet sie ein Jahr lang am Liebfrauen-Lyzeum in Offenburg (Baden).

Nach fünfjährigem Studium reicht Maria Grollmuß 1925 ihre Doktorarbeit zum Thema "Joseph Görres und die junge Demokratie" ein. Ihre Arbeit wird zunächst zurückgewiesen. Erst 1929 erhält sie den Titel eines Dr. phil., nachdem sie neben ihrer beruflichen Tätigkeit an der Dissertation weitergearbeitet hat. Maria Grollmuß geht 1926 nach Frankfurt/Main und arbeitet als Journalistin für die linkskatholische "Rhein-Mainische Volkszeitung", später auch für die "Deutsche Republik". Sie zieht nach Berlin und wird nach verschiedenen Anstellungen arbeitslos. Nach vierjähriger Mitgliedschaft bricht sie mit der SPD und schließt sich der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP), einer Abspaltung der SPD, an. Nach wie vor unterhält sie Verbindungen zu christlichen, sozialdemokratischen und kommunistischen Kreisen.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zieht sie nach Radibor. Das Dorf ist illegaler Treffpunkt und Durchgangsstation Verfolgter auf dem Weg über die nahe tschechische Grenze. Maria Grollmuß übernimmt Kurierfahrten nach Prag zu Max Seydewitz, dem führenden Kopf der mittlerweile verbotenen SAP. Dabei verhilft sie zwei Söhnen dieser Familie zur Flucht über die tschechische Grenze. Zusammen ihrem Studienfreund Hermann Reinmuth plant sie bei Seydewitz die Herausgabe der illegalen Zeitschrift "Rote Blätter". Später findet man das Material bei Reinmuth, darunter auch einen Artikel von Maria Grollmuß. Um die Familien von Inhaftierten unterstützen zu können, sammelt sie Geld bei Freunden, Bekannten und kirchlichen Organisationen bis hin zu den Quäkern. Doch ihre Aktivitäten bleiben nicht lange unentdeckt.

Am 7. November 1934 wird Maria Grollmuß in Radibor durch die Gestapo verhaftet. Ein Jahr verbringt sie in Untersuchungshaft, bevor sie im November 1935 zusammen mit Hermann Reinmuth und Hugo Eisner wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt wird. Der Volksgerichtshof verurteilt Maria Grollmuß zu sechs Jahren Zuchthaus, die sie im sächsischen Waldheim absitzt. Ihre Schwester Cäcilia ist in dieser Zeit ihre wichtigste Verbindung zur Außenwelt. In ihren Briefen kleidet sie ihren Schmerz oft in religiöse Bilder. Nach sechs Jahren wird sie im Januar 1941 als politischer Häftling Nr. 5346 in das Frauen-KZ Ravensbrück gebracht. Die in praktischen Dingen recht unbeholfene Maria Grollmuß kommt zuerst in Außenkommandos. "Ich sehe sie gerade vor mir, wie sie zu Tode erschöpft, mit blutigen Händen und halb erfroren, in den Block einrückte", berichtet die Blockälteste Rosa Jochmann. Es gelingt, sie von der Außenarbeit zu befreien und den Strickerinnen zuzuteilen. Ihre fröhliche Natur und die Gabe, ihren Leidensgefährtinnen Mut zuzusprechen, machen sie im Lager sehr beliebt. Da sie während ihrer illegalen Tätigkeit die tschechische Sprache erlernt hat und sich im Lager auch um das Polnische bemüht, kann sie als Dolmetscherin wirken. So hat sie gerade unter den polnischen Katholikinnen viele Freundinnen. Mit ihnen sitzt sie oft zusammen, versunken in Gebet. Ihre Mitgefangene Rita Sprengel berichtet: "Nach Verbüßung ihrer Haftstrafe habe die Gestapo von Maria verlangt, in der sorbischen Widerstandsbewegung Spitzeldienste zu leisten. Das lehnte sie ab. Da erhöhte die Gestapo den Druck: Sie wisse doch, daß sie Krebs habe. Stimme sie dem Vorschlag zu, werde sie sofort in ein besonders gutes Krankenhaus eingewiesen. Noch verspreche eine Operation Erfolg. Bliebe Maria jedoch stur, würde sie ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück eingewiesen. Dort müsse sie dann lebendigen Leibes verfaulen. Sie habe damals den Tod gewählt. Und nun sei es soweit, sie könne sich nicht mehr aufrecht halten und müsse ins Revier gehen, um dort zu sterben."

Nach einer schweren Operation stirbt sie am 6. August 1944.
Am 22.September 1944 wird die Urne in Radibor auf dem Pfarrfriedhof beigesetzt.

Während der DDR-Zeit wurde ihr politisches Engagement einseitig überbetont. Maria Grollmuß ist eine neu zu entdeckende bedeutende geistliche Gestalt. Was der Dominikaner Franziskus Maria Stratmann über die hl. Katharina von Siena schrieb, charakterisiert auch Maria Grollmuß:
" Für die Politik fehlte Katharina der realistsiche Blick.
Sie war ein religiöses, kein politisches Genie."

Elisabeth Prégardier
Begleitbuch zur Ausstellung "Christliche Frauen im Widerstehen", S. 22-24
 

Quellen/ Veröffentlichungen

  1. Maria Kubasch: Sterne über dem Abgrund. Das Leben von Maria Grollmuß. Bautzen 1961
  2. Wórša Dahmsowa-Meškankec: Marja Grólmusec 1896-1944, Bautzen 1996 (in sorbischer Sprache)
  3. Maria Grollmuß: Briefe nach Radibor. Hg. Anne Mohr und Elisabeth Prégardier, Annweiler 2000
  4. Elisabeth Prégardier: Die Heilige, "die die Welt ernst nahm". Maria Grollmuß an Catarina von Siena. In: Heilige Unruh. Bewegende Frauen in den Zeiten der Kirche. Hg. Hildegard König und Irene Leicht. München 2000
Autsch, Angela
Dembowska, Henryka
Grollmuß, Maria
Kafka, Restituta
Rivet, Elise
v. Thadden, Elisabeth
Kulinicz, Anna
Poltawska, Wanda
 
 
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