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Ökumenischer Weltgebetstag der Frauen Seite drucken

Millionen Menschen haben während der Zeit des Nationalsozialismus hinter Gefängnismauem und dem elektrisch geladenen Stacheldraht der Konzentrationslager miteinander gelitten und dort wo sich Christen zusammenfanden, miteinander gebetet.

Für Frauen aus ganz Europa wurde das Konzentrationslager Ravensbrück in Mecklenburg (heute Brandenburg) zu einem Ort unbeschreiblicher Leiden. Von den dort ca. 132.000 Inhaftierten Frauen und auch Kindern sind 90.000 nicht mehr zu ihren : Familien und ihre Heimat zurückgekehrt. Ungefähr ein Viertel der Lagerinsassinnen, das sind 40.000, stammten aus Polen, wovon 32.00 in Ravensbrück starben und ermordet wurden.

Die Gebetsordnung zum ökumenischen Weltgebetstag am 4. März 2005 ist von polnischen Frauen verfaßt worden. Das Leitwort "Laßt uns Licht sein" sollte unseren Blick auch auf die Frauen lenken, die sich in schwerer Zeit über alle Konfessionsgrenzen hinweg durch das gemeinsame Gebete gegenseitig gestärkt haben und für ihr ihre Leidensgefährtinnen Licht und Kraft geworden sind.

Olga Dickman aus Warschau sagte 1991 bei anläßlich einer vom Maximilian-Kolbe-Werk unterstützten Fahrt von 200 polnischen Frauen nach Ravensbrück. "Ich spreche im Namen vieler meiner Gefährtinnen: Wir sind ohne Haß aus dem Lager gegangen!"

Das ist ein tiefgründiges und schwerwiegendes Wort; es sollte 2005, wenn Polen als Schwerpunktland mit seiner wechselvollen Geschichte vorgestellt wird, sehr bedacht werden.

Dieser Geist der Versöhnungsbereitschaft prägte in den letzten Jahren viele Begegnungen ehemaliger Häftlingen mit jungen Menschen in den Schulen, kommunalen und kirchlichen Gemeinden in Deutschland und trug dazu bei, dass in einem neuen Europa gegenseitiges Verständnis wachsen konnte.

Im Evangelischen Gesangbuch steht im Abschnitt "Passion" im Kirchenjahr ein Gebet, das Dr. Hildegard Schäder (1902-1984) zugeschrieben wird, Häftling 31.795 in Ravensbrück. Sie überlebte das KZ und arbeitete später im Außenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland für die Orthodoxen Kirchen des Ostens. Es heißt:

Gebet für die Peiniger
Friede den Menschen, die bösen Willens sind,
und Ende aller Rache und allen Redens über-Strafe und Züchtigung.
Die Grausamkeiten spotten alles je Dagewesenen,
sie überschreiten die Grenzen menschlichen Begreifens,
und zahlreich sind die Märtyrer.
Daher, o Gott, wäge nicht ihre Leiden auf den Schalen deiner Gerechtigkeit, fordere nicht grausame Abrechnung, sondern schlage sie anders zu Buche: Laß sie zugute kommen allen Henkern, Verrätern und Spionen,
und allen schlechten Menschen, und vergib ihnen
um des Mutes und der Seelenkraft der anderen willen.
All das Gute sollte zählen, nicht das Böse
und in der Erinnerung unserer Feinde sollen wir nicht
als ihre Opfer weiterleben, nicht als ihr Alptraum und gräßliche Gespenster, vielmehr ihnen zu Hilfe kommen, damit sie abstehen können von ihrem Wahn. Nur dies allein wird ihnen abgefordert, und dass wir, wenn alles vorbei sein wird, leben dürfen als Menschen unter Menschen,
und dass wieder Friede sein möge auf dieser armen Erde
den Menschen, die guten Willens sind,
und dass der Friede auch zu den anderen komme.

 
 
Vermehren, Isa
Süßmuth, Rita
Prégardier, Elisabeth
Homeyer, Josef
Herzog, Roman
Jacobeit, Sigrid
 
Ökumenischer Welt-gebetstag der Frauen
Schlüssel für ein
neues Europa
 
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