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Widerstand der Frauen in der Zeit des Nationalsozialismus Seite drucken

Über Widerstand während der Zeit des Nationalsozialismus ist schon viel gearbeitet worden. Dieser Widerstand hatte viele Gesichter. Nach einem zeitlichen Abstand von über einem halben Jahrhundert erreichen uns in vielfältiger Form Autobiographien, Biographien, Aufarbeitungen, wissenschaftliche Abhandlungen, Dokumentationen, Fotosammlungen und vieles andere mehr.

Im Rahmen dieser Darstellungen nimmt der Widerstand der Frauen in der Zeit des Nationalsozialismus einen noch viel zu geringen Raum ein.
Im Vordergrund steht meist der politisch-aktive Widerstand gegen das NS-System, den nicht wenige Frauen mit dem Tod bezahlt haben. Besonderes Interesse fand das Schicksal der Ehefrauen der Männer des 20. Juli 1944.

Das mühselige und nicht ungefährliche Widerstehen von Frauen aus allen Bevölkerungsschichten im Alltag, besonders in den immer härter werdenden Bedingungen des Kriegsalltags ist bis jetzt noch nicht hinreichend dokumentiert worden. Der Widerstand und das Widerstehen von Frauen hatte viele Gesichter. Unser Anliegen ist die Dokumentierung und Würdigung der Frauen, die aus einer christlichen Motivation in Widerspruch zum NS-Regime standen.

Ab Mai 1939 wurden in dem neu errichteten Konzentrationslager Ravensbrück bei Fürstenberg/Mecklenburg (80 km nördlich von Berlin) wurden deutsche Frauen als so genannte Schutzhäftlinge eingewiesen, darunter viele, die sich skeptisch oder abfällig über das NS-System geäußert hatten. Sehr bald wurden auch Frauen aus den von den Deutschen besetzten Ländern überstellt. In den sechs Jahren seines Bestehens waren in Ravensbrück etwa 132 000 Frauen aus über 30 Nationen inhaftiert; fast 90.000 von ihnen fanden den Tod.

Ausgangspunkt unserer Aufarbeitung sind die Schicksale von christlich geprägten Frauen von Ravensbrück. Unser Blick richtet sich darüber hinaus auch auf die vielen noch wenig bekannten Frauenschicksale aus dem christlichen Umfeld, um auch ihnen Namen und Ort im Gedenken der Gegenwart und Zukunft zu geben.

Der Begriff Widerstand entstammt dem Wortfeld stehen mit seinen zahlreichen Assoziationsmöglichkeiten. Die damit verbundenen sehr aussagekräftigen Wortprägungen haben meist eine Beziehung zu aufrechter Haltung, zum Stehen: man steht etwas durch, man steht für etwas ein oder auf (Aufstand), man lehnt sich gegen etwas auf, man empört sich - darin liegt die Richtung empor, nach oben. Das Wortfeld reicht bis hin zum Begriff der Auferstehung. Im Gegensatz dazu befinden sich die Reaktionen des Aus-sitzens, des Untertauchens, des Sich-Verkriechens. Wer sich zum Widerstand entschlossen hat, hat einen Standpunkt, hält seinen Stand, hat Bestand, übt den aufrechten Gang.

Widerstand bedeutet zweckgerichtetes bewusstes Handeln oder Vorbereitung (auch ideell) eines solchen Handelns zur Begrenzung einer Herrschaft oder Ideologie. Denken und Handeln werden gegen eine Diktatur gerichtet und stellen dessen Wertesystem, deren Ideologie und deren Herrschaftspraxis in Frage. Denken und Handeln gehen über die Verteidigung von Gruppeninteressen hinaus und sind auf die Erhaltung oder Wiederherstellung von elementaren Grundvoraussetzungen menschenwürdigen Lebens gerichtet.

Der aus christlichem Bewusstsein erwachsene Widerstand fordert zu seiner Definition und Bestimmung die im Dekalog und im Neuen Testament enthaltenen fundamentalen Werte eben dieses Bewusstseins: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben, du sollst nicht töten, du sollst kein falsches Zeugnis geben, liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Christlicher Widerstand zeigt sich im Eintreten für die Schwachen und Rechtlosen, für die geistig und körperlich Behinderten, für die Fremden, für die schuldig Gewordenen, in der Verweigerung der Anpassung, in der Annahme der daraus resultierenden Konsequenzen bis zum Opfer des Lebens. Christlicher Widerstand ist vor allem Bekenntnis, zeigt sich auch in Nonkonformismus und Dissidententum und ist in die Akzeptanz des Leidens mit Jesus Christus integriert: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und Deine Auferstehung preisen wir…

Christliche Frauen gaben im Widerstehen gegen das unmenschliche NS-System Zeugnis für hohe Lebenswerte bis in den Tod, und nicht wenige erfuhren darin die letzte Reifung ihrer Persönlichkeit. Ihr Widerstand erstreckt sich von alltäglichen Verweigerungshaltungen bis hin zum bewussten Angriff des NS-Regimes.

   
----- www.Widerstand-christlicher-Frauen.de ----- [Counter]